Fachabteilungen bauen Excel-Lösungen nicht, weil sie Schatten-IT lieben.
Sie bauen sie, weil etwas erledigt werden muss.
Ein Bericht wird gebraucht. Ein Export passt nicht. Eine Liste muss gepflegt werden. Eine Auswertung fehlt. Ein Kunde stellt Sonderanforderungen. Die Standardsoftware kann es nicht so, wie der Alltag es braucht.
Also macht jemand eine Datei.
Erst klein. Dann nützlich. Dann wichtig.
Und irgendwann schaut die IT darauf und sagt: Das ist aber gefährlich.
Stimmt vielleicht.
Aber die interessantere Frage lautet: Warum musste die Fachabteilung sich überhaupt selbst helfen?
Die provokante These: Viele Schatten-IT-Probleme sind keine Disziplinprobleme der Fachabteilungen. Sie sind Reaktionszeiten-Probleme der Organisation.
Wenn eine Abteilung sechs Monate auf eine kleine Änderung warten müsste, baut sie sich eine Lösung.
Wenn ein Standardprozess den Sonderfall nicht abbildet, entsteht eine Nebenlösung.
Wenn ein Reporting dringend gebraucht wird, gewinnt Pragmatismus gegen Governance.
Das ist nicht schön.
Aber es ist nachvollziehbar.
Deshalb hilft es wenig, solche Lösungen pauschal zu verteufeln. Natürlich muss man Risiken sehen: falsche Daten, fehlende Berechtigungen, keine Dokumentation, Abhängigkeit von Einzelpersonen, Versionschaos.
Aber oft steckt in diesen Dateien auch wertvolles Prozesswissen.
Sie zeigen, was wirklich gebraucht wird.
Sie zeigen, wo Standardsoftware scheitert.
Sie zeigen, welche Ausnahmen regelmäßig vorkommen.
Sie zeigen, wie die Fachabteilung denkt.
Wer nur sagt „Excel weg“, wirft dieses Wissen vielleicht weg.
Besser ist ein anderer Ansatz:
Erst verstehen.
Dann stabilisieren.
Dann entscheiden.
Welche Lösung ist fachlich sinnvoll?
Welche Teile müssen sicherer werden?
Welche Schritte können automatisiert werden?
Welche Daten gehören nicht mehr in eine freie Datei?
Welche Oberfläche braucht die Abteilung wirklich?
Manchmal bleibt Excel der richtige Ort.
Manchmal wird aus der Datei ein kleines internes Tool.
Manchmal reicht eine saubere Importlogik mit Prüfungen.
Wichtig ist: Die Fachabteilung sollte nicht beschämt werden, weil sie ein Problem gelöst hat.
Sie sollte unterstützt werden, die Lösung professioneller zu machen.
Denn am Ende wollen die meisten Fachabteilungen nicht basteln.
Sie wollen arbeiten.
Schnell. Verlässlich. Mit Werkzeugen, die zum Alltag passen.
Und genau hier kann pragmatische Office- und Prozessautomatisierung die Brücke bauen.
Zwischen „funktioniert irgendwie“ und „funktioniert stabil“.
Zwischen Fachlogik und technischer Sicherheit.
Zwischen Realität und IT-Anspruch.
Wenn bei Ihnen wichtige Excel-Lösungen in Fachabteilungen entstanden sind, ist das kein Grund für Schuldzuweisungen. Es ist ein guter Ausgangspunkt für gezielte Professionalisierung.
Projekt kurz schildern