Natürlich brauchen Unternehmen Strategie. Aber manchmal versteckt sich hinter „Wir brauchen erst eine KI-Strategie“ nur ein anderes Problem: Niemand weiß, wo man anfangen soll. Dann entstehen Workshops.
Roadmaps. Arbeitskreise. Präsentationen. Begriffe werden sortiert.
Chancen werden gesammelt. Risiken werden diskutiert. Und nach drei Monaten macht die Fachabteilung immer noch Copy & Paste. Das ist bitter.
Denn viele sinnvolle KI-Anwendungsfälle liegen nicht in der Zukunft. Sie liegen im Posteingang. Im Monatsreporting. In wiederkehrenden Excel-Dateien.
In PDFs. In Angebotsprozessen. In Supportanfragen. In Freitextfeldern.
In manuellen Prüfungen. In der täglichen Arbeit. Die provokante These: Viele Unternehmen brauchen am Anfang keine perfekte KI-Strategie. Sie brauchen zehn ehrlich beschriebene Probleme. Nicht zehn Ideen.
Probleme. „Wir kopieren jede Woche Daten aus fünf Dateien zusammen.“ „Wir lesen PDFs manuell aus.“ „Wir schreiben ähnliche Kundenantworten immer wieder neu.“
„Wir prüfen Listen auf Fehler, obwohl die Regeln bekannt sind.“ „Wir suchen Informationen in E-Mails, weil sie nirgends strukturiert gespeichert sind.“ „Wir haben Freitexte, die eigentlich Kategorien sein müssten.“ „Wir erzeugen Berichte aus Daten, aber die Formulierung kostet jedes Mal Zeit.“
Das sind echte Startpunkte. Nicht jeder davon braucht KI. Und genau das ist gut. Denn ein ehrlicher Anwendungsfall darf auch ergeben: Hier reicht klassische Automatisierung.
Oder: Erst müssen die Daten aufgeräumt werden. Oder: Der Prozess ist zu unklar. Oder: Das Risiko ist zu hoch. Oder: Ja, hier kann KI sehr konkret helfen.
So entsteht eine sinnvolle KI-Roadmap von unten. Nicht aus Technologiebegeisterung. Sondern aus Arbeitsrealität. Was macht einen guten KI-Anwendungsfall aus?
Er kommt regelmäßig vor. Er kostet messbar Zeit. Er hat definierbare Eingaben. Er hat ein klares gewünschtes Ergebnis.
Er enthält Sprache, Freitext, Dokumente oder unstrukturierte Informationen. Er erlaubt eine Kontrolle durch Menschen. Er ist klein genug, um getestet zu werden. Das ist viel konkreter als „Wir wollen KI nutzen“.
Und es schützt vor Aktionismus. Denn sobald zehn Fälle auf dem Tisch liegen, kann man priorisieren. Wo ist der größte Aufwand? Wo ist das Risiko gering?
Wo sind Daten vorhanden? Wo ist die Fachabteilung motiviert? Wo lässt sich schnell Wirkung zeigen? So entsteht Fortschritt.
Vielleicht nicht so glänzend wie eine große Strategiepräsentation. Aber deutlich näher an Umsetzung. Natürlich kann daraus später eine Strategie werden. Aber dann basiert sie auf echten Prozessen.
Nicht auf Folien. Vielleicht ist das der pragmatische Weg: Erst zehn Anwendungsfälle. Dann bewerten.
Dann einen kleinen starten. Dann lernen. Dann skalieren. Nicht umgekehrt.
Wenn Sie KI im Unternehmen greifbar machen möchten: Sammeln Sie zehn konkrete, wiederkehrende Aufgaben aus dem Alltag. Danach wird sehr schnell klar, wo KI helfen kann und wo nicht.
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